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Was motiviert Sie dazu, Ihren Fuhrpark auf grüne Antriebe umzustellen? 

Als familiengeführter Mittelständler fühlen wir uns kommenden Generationen besonders verpflichtet. Nachhaltigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen sind daher seit vielen Jahren in unserer Unternehmensphilosophie verankert. Seit jeher widmen wir uns dem Thema Nachhaltigkeit – in der Vergangenheit zum Beispiel durch das Einsparen von Reinigungen (Verunreinigung von bis zu 2000l Trinkwasser und Ausstoß ca. 81,5 kg CO2e/Reinigung), die gezielte Reduzierung von Leerkilometern und die Erhöhung der Transportmenge pro Fahrzeug (z.B. von 25 t auf bis zu 28 t).

Welche Ziele haben Sie sich bei der Umstellung auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge gesetzt? 

Ziel der Nord-Spedition ist es, unsere insgesamt 70 Lkw schrittweise durch batterieelektrische Fahrzeuge zu ergänzen und so Klima- und Umweltschutz mit einer zukunftsfähigen, wirtschaftlichen Transportlogistik zu verbinden.

2023 sind wir mit drei E-Lkw in die Flottenumstellung gestartet. Bis Ende 2025 wird der Bestand auf sechs E-Lkw anwachsen, bis Ende 2030 planen wir, ca. 20 E-Lkw in unserer Flotte zu betreiben. Damit wird bereits ein signifikanter Teil unserer insgesamt 70 Fahrzeuge klimafreundlich unterwegs sein. Unsere E-LKW legen im Schnitt rund 145.000 km pro Jahr zurück – jede Umstellung auf elektrische Antriebe hat daher eine besonders große Hebelwirkung für den Klimaschutz. Im Verlauf des Projektes hat sich zudem gezeigt, dass E-Lkw in unserem Einsatzprofil bereits heute wirtschaftlich betrieben werden können und wir davon ausgehen, dass sich diese Wirtschaftlichkeit in den nächsten Jahren weiter verbessert.

Wie sind Sie konkret vorgegangen? 

2021 standen wir kurz davor, gemeinsam mit einem Kunden einen Wasserstoff-Lkw anzuschaffen. Von diesem Projekt sind wir schließlich zurückgetreten, weil sich der damalige Dienstleister im Nachgang als nicht ausreichend vertrauenswürdig erwiesen hat. Im Anschluss haben wir uns an unseren langjährigen Partner Volvo gewandt, der vergleichsweise früh ein serienreifes Angebot an E-Lkw auf den Markt gebracht hat. Dies war ein wichtiger Baustein für unseren Einstieg in die Elektromobilität im Schwerlastverkehr.

Konkret sind wir wie folgt vorgegangen:
  • Analyse unserer Touren, Fahrprofile und Standzeiten zur Identifikation geeigneter Einsatzbereiche für E-Lkw.
  • Kauf von nicht-geförderter Ladeinfrastruktur, da der Förderbescheid für die E-Lkw schon vor dem der Ladesäule vorlag. Anschaffung zunächst eines 40-kW-Laders, später eines 150-kW-Laders, weil die anfänglich geplante Ladeleistung nicht zur hohen Fahrleistung passte.
  • Schulung von Fahrpersonal und Disposition zu Reichweitenplanung, effizientem Fahrverhalten und optimaler Nutzung der Ladefenster.

Aktuell befinden wir uns in einer Optimierungsphase, in der wir insbesondere die Auslastung der Fahrzeuge und die Ladeprozesse weiter verbessern und den Eigenstromanteil an unserem Standort erhöhen wollen.

Welche Erkenntnisse konnten bei der Umstellung bisher gewonnen werden? Welche besonderen Herausforderungen gab es? Welche „Dos and Don’ts“ sollten andere bei der Umsetzung beachten? 

Unsere Erkenntnisse aus dem Betrieb und dem Infrastrukturaufbau:
  • E-Lkw sind bei hohen Jahreslaufleistungen – wie bei uns mit rund 145.000 km – und dem richtigen Strompreis bereits heute ein wirtschaftlich attraktiver Baustein der Flotte.
  • Die Fahrzeuge laufen gut auf planbaren Routen. Der Aufbau von Begegnungsverkehren kann schon heute dabei helfen, etwaige Reichweitenbeschränkungen oder nicht vorhandene Ladeinfrastruktur zu umgehen. Wir setzen beim Einsatz eher auf möglichst viel Strecke und möglichst wenig Standzeiten an Be- und Entladestellen.
Unsere Herausforderungen:
  • Zu Beginn traten verschiedene technische Probleme auf (z. B. Softwarethemen bei Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur), die in enger Zusammenarbeit mit den Herstellern und Partnern inzwischen weitgehend behoben werden konnten.
  • Die anfängliche Unsicherheit bei Reichweite und Ladezeiten erforderte eine sehr sorgfältige Tourenplanung und intensive Begleitung der Fahrerinnen und Fahrer.
Dos & Don’ts für andere Unternehmen
Do:
  • Frühzeitig mit einem Pilotprojekt starten und echte Praxiserfahrungen sammeln.
  • Disposition, Fahrpersonal und Werkstatt von Anfang an einbinden – Akzeptanz und Know-how sind entscheidend.
  • Ladeinfrastruktur möglichst in eigener Hand haben oder mit verlässlichen Partnern zusammenarbeiten. Wir haben teilweise mit LIS-Betreibern zusammengearbeitet, denen es nicht wichtig war, ob ihre Anlage lief oder nicht – das hat den Betrieb deutlich erschwert.
  • Nicht entmutigen lassen und immer einen Plan B haben (z. B. alternative Ladepunkte oder Fahrzeuge), um auf technische Störungen oder unerwartete Rahmenbedingungen reagieren zu können.
  • Nicht nur auf Anschaffungskosten schauen – eine Gesamtkostenbetrachtung über die Lebensdauer zeigt die Stärken der E-Lkw deutlich besser.
Don’t:
  • Den zusätzlichen Zeitbedarf für Planung, Genehmigungen und organisatorische Abstimmungen unterschätzen.
  • Sich ausschließlich auf theoretische Reichweiten verlassen – reale Fahrprofile und Reserven müssen immer mitgedacht werden.

Kontakt

Webseite: Nord-Spedition GmbH & Co. KG

Ansprechpartner:
Haakon Dias Hansen
diashansen@nord-spedition.de
+49-4604-9002-12