Was motiviert Sie dazu, Ihren Fuhrpark auf grüne Antriebe umzustellen?
Als einer der führenden Lebensmittellogistiker bewegen wir täglich eine große Anzahl an Lkws auf Europas Straßen und genau das bringt eine enorme Verantwortung mit sich. Jeder gefahrene Kilometer hat Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Deshalb wollen wir aktiv dazu beitragen, die Emissionen im Transportbereich zu senken und die Branche nachhaltiger zu gestalten. Dabei stehen drei zentrale Aspekte im Vordergrund:
- Verantwortung für den Klimaschutz: Wir sehen es als unsere Pflicht, den CO₂-Ausstoß im Transportbereich deutlich zu reduzieren und damit einen spürbaren Beitrag für die Zukunft unseres Planeten zu leisten.
- Partnerschaft mit unseren Kunden: Nachhaltigkeit ist längst ein entscheidender Faktor für unsere Kunden. Mit einem nachhaltigeren Fuhrpark bieten wir Lösungen, die den wachsenden Anforderungen an klimafreundlichere Lieferketten gerecht werden.
- Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit: Alternative Antriebe sind ein wichtiger Schritt, um unsere Transportprozesse zukunftsfähig zu gestalten und den Wandel der Branche aktiv mitzugestalten.
Welche Ziele haben Sie sich bei der Umstellung auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge gesetzt?
Bei der Umstellung auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge verfolgen wir einen klaren, systematischen Ansatz, der ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Effizienz vereint.
- Signifikante Emissionsreduktion: Wir wollen den CO₂-Ausstoß im Transportbereich Schritt für Schritt senken und damit einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten.
- Alternative Antriebe: Wir setzen bewusst auf alternative Antriebe und legen den Schwerpunkt auf batterieelektrische Lösungen, ergänzt durch HVO. So können wir für unterschiedliche Einsatzprofile die jeweils passende und zukunftsorientierte Lösung anbieten.
- Ladeinfrastruktur: Wir investieren gezielt in den Ausbau der Ladeinfrastruktur, um die Umstellung auf alternative Antriebe praktikabel zu machen. Dazu gehören nicht nur Ladepunkte und Tankmöglichkeiten an bestehenden Standorten, sondern auch die Integration nachhaltiger Energieversorgung in unsere Neubauprojekte. So stellen wir sicher, dass neue Logistikzentren von Anfang an für die Anforderungen eines klimafreundlicheren Fuhrparks ausgelegt sind.
Wie sind Sie konkret vorgegangen?
Bereits im Jahr 2018 haben wir die ersten Tests mit E-Lkw gestartet und verschiedene Szenarien erprobt – darunter vollelektrische Kühlauflieger mit und ohne Rekuperation. Seitdem treiben wir die Elektrifizierung unseres Fuhrparks Schritt für Schritt voran. Ende 2022 ging ein 16-Tonnen-E-Verteiler für den Nahverkehr am Standort Bochum in Betrieb, gefolgt von zwei vollelektrischen Sattelzugmaschinen, die seit Januar 2023 täglich im Einsatz sind. 2024 haben wir unseren Fuhrpark um weitere elektrische Sattelzugmaschinen erweitert und setzen seit April 2024 zusätzlich vollelektrische Kühlauflieger mit Akkupack in Deutschland und Österreich ein.
Im Jahr 2025 konnten wir unsere Elektroflotte nahezu verdreifachen. Parallel dazu investieren wir massiv in den Ausbau der Ladeinfrastruktur. An mehreren Standorten wurden Schnellladesäulen mit bis zu 400 kW installiert, unterstützt durch Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und intelligentem Lastmanagement.
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Gründung unseres Corporate Ventures LEAFR, das sich auf die emissionsarme Zustellung auf der letzten Meile konzentriert. Mit vollelektrischen Fahrzeugen und smarten Logistiklösungen gestaltet LEAFR die urbane Lebensmittellogistik nachhaltig und effizient. Und wir denken weiter: Auch 2026 werden wir zusätzliche Investitionen tätigen – sowohl in den Ausbau unserer E-Flotte als auch in die Infrastruktur -, um die Transformation unseres Fuhrparks konsequent fortzuführen.
Welche Erkenntnisse konnten bei der Umstellung bisher gewonnen werden? Welche besonderen Herausforderungen gab es? Welche „Dos and Don’ts“ sollten andere bei der Umsetzung beachten?
Seit 2018 haben sich die Technologien für alternative Antriebe erheblich weiterentwickelt. Die Reichweiten unserer E-Lkw sind stark gestiegen, was ihren Einsatz wesentlich erleichtert. Besonders erfreulich ist die Akzeptanz unserer Fahrer und Fahrerinnen. Sie schätzen die hohe Leistungsstärke und das niedrige Geräuschniveau der Fahrzeuge, das den Fahrkomfort spürbar erhöht.
Die Umstellung zeigt außerdem, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen Herstellern von Lkw, Trailern und Kühlmaschinen ist. Nur durch abgestimmte Lösungen lassen sich intelligente, vollelektrische Fahrzeugkombinationen für die temperaurgeführte Logistik umsetzen.
Da es derzeit kaum öffentliche Ladeinfrastruktur für Lkw gibt, setzen wir auf das Depotladen an unserem Warehouse. Die Reichweite der Fahrzeuge bestimmt momentan, welche Strecken gefahren werden können. Deshalb nutzen wir die E-Lkw für den Transport zwischen unseren Niederlassungen und für projektspezifische Shuttleverkehre. Mit steigenden Reichweiten und dem weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur an unseren Standorten sind zukünftig deutlich mehr Verkehre möglich sein.
Dos
- Frühzeitig planen: Einsatzprofile und Ladeinfrastruktur vorab klären.
- Infrastruktur und Fahrzeuge synchron denken: Ladepunkte müssen verfügbar sein.
- Technologieoffen bleiben: Elektromobilität ist wichtig, aber nicht die einzige Lösung.
- Fahrer:innen einbeziehen: Schulungen und Testfahrten fördern Akzeptanz und steigern die Motivation.
Don’ts
- Ladeinfrastruktur unterschätzen: Leistung und Netzanschlüsse frühzeitig planen.
- Reichweiten unrealistisch einschätzen: Ladezeiten und Strecken realistisch berücksichtigen.



