Was motiviert Sie dazu, Ihren Fuhrpark auf grüne Antriebe umzustellen?
Der Treibhauseffekt und der dadurch bedingte Klimawandel stellen eine existenzielle Bedrohung für uns alle dar. Ungefähr 20% der CO2-Emissionen in Deutschland gehen auf den Verkehrssektor zurück, ca. 10% werden durch schwere Lkw verursacht. Als Akteur im Transport können wir etwas dagegen tun und erachten dies als unsere selbstverständliche Verpflichtung, denn die Erhaltung unserer Lebensgrundlage ist auch der Ausgangspunkt unserer unternehmerischen Tätigkeit. Ökonomie und Nachhaltigkeit erachten wir nicht als konkurrierende oder widersprüchliche Ziele, sondern als Aufgabenstellung und Chance unser Geschäftsmodell weiterzuentwickeln und unsere Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationskraft und Unternehmergeist unter Beweis zu stellen.
Welche Ziele haben Sie sich bei der Umstellung auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge gesetzt?
Wir haben das Ziel unsere CO2-Emissionen in Scope 1 + 2 bis zum Jahr 2030 um 40% zu senken. Hierfür werden wir bis zum Jahr 2030 100 BET in der Fahrzeugverteilung an unseren deutschen Standorten operativ in Dienst stellen sowie bei 250 Fernverkehrszügen ausschließlich HVO als Kraftstoff verwenden. Im Falle gegebener Wirtschaftlichkeit sind wir bereit unsere Zielsetzung jederzeit nach oben anzupassen.
Wie sind Sie konkret vorgegangen?
Bereits zu Beginn des Jahrzehnts hat die MOSOLF-Gruppe ein Projekt zur technischen Analyse und wirtschaftlichen Bewertung alternativer Lkw-Antriebstechnologien gestartet. Die Spezifikation von Autotransportern stellt dabei besonders hohe Anforderungen, denn es werden Low Liner Sattelzugmaschinen oder Fahrgestelle benötigt, wobei bei den letzteren eine zusätzliche Vorlaufachse den Bauraum für alternative Antriebe und deren Komponenten zusätzlich einschränken.
Im Kontext des Ende 2020 platzierten Förderprogramms klimafreundliche Nutzfahrzeuge des Verkehrsministeriums wurde zunächst eine Marktstudie für die Alternativen erstellt und anschließend Gespräche mit potenziellen Projektpartnern geführt. Für die konkrete technische Realisierung wurden zwei Use Cases definiert, in denen erste BET zum Einsatz kommen sollten. Im Rahmen des Förderprogramms wurden für diese im Jahr 2021 fünf Fahrzeuge für zwei Standorte sowie die dazu nötigen HPC-Ladeinfrastrukturen beantragt und 2022 positiv beschieden.
Nach Auslieferung der Fahrzeuge und Fertigstellung der Ladeinfrastrukturen an den Standorten Düsseldorf und Illingen im Frühjahr 2023, wurde ein detaillierter sechsmonatiger Testbetrieb aufgesetzt, in dem qualitative Kriterien und quantitative Messgrößen sowie Zielgrößen, Mindesterwartungen und Knock-Out Limits vorher festgelegt wurden. Die erste Phase des Testbetriebs war von zahlreichen technischen Problemen geprägt, die aber durch Task Forces überwunden werden konnten. Im Herbst 2023 konnte der Testbetrieb erfolgreich abgeschlossen werden. In der zweiten Welle des Förderprogramms wurden weitere 10 BET sowie die Einrichtung weiterer Ladeinfrastrukturen an einem dritten Standort (Ketzin) bewilligt und anschließend umgesetzt.
Welche Erkenntnisse konnten bei der Umstellung bisher gewonnen werden? Welche besonderen Herausforderungen gab es? Welche „Dos and Don’ts“ sollten andere bei der Umsetzung beachten?
Zentrale Ergebnisse für die MOSOLF-Gruppe waren:
- Der Erfolg der Transformation hängt von einem integrierten Eco-System ab, das Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Energieversorgung und digitale Werkzeuge umfasst.
- TCO-Analyse: Total Cost of Ownership (TCO)-Modelle bilden alle quantifizierbaren Kosten ab, die über den gesamten Lebenszyklus eines Beschaffungsgutes anfallen und bilden so eine Grundlage für die Technologiewahl und Investitionsentscheidung.
- Eigeninitiative in Bezug auf die Infrastruktur: Der Aufbau eigener Ladeinfrastrukturen ist unerlässlich, um die Abhängigkeit von der (derzeit noch) unzureichenden öffentlichen Ladeinfrastruktur zu minimieren.
- Energie-Effizienz: Die eigene Energieerzeugung mit PV oder Windkraft senkt die Energiekosten erheblich und erhöht damit die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit.
- Praktische Tests: Der Testbetrieb unter realen Bedingungen ist unerlässlich, um die Leistung von E-LKWs zu validieren, Herausforderungen zu erkennen, Probleme zu beseitigen und die Angst vor dem „Neuen“ zu verringern.
- Datenanalyse: Die Analyse der Verbrauchsdaten ermöglicht es, den Betrieb zu optimieren und die Effizienz zu maximieren.
Unsere Empfehlungen für andere Unternehmen:
- Strategische Planung: Definieren Sie klare Transformationsziele und Szenarien. Entscheiden Sie mit den passenden Werkzeugen und Hilfsmitteln. Passen Sie die Kennzahlen für Ihre Entscheidungen regelmäßig an.
- Technologische Bewertung: Priorisieren Sie BET als Kerntechnologie für die Flottenumstellung. Nutzen Sie alternative Kraftstoffe für die CO2-freie Transformation Ihrer Bestandsflotte (HVO100).
- Investitionen in die Infrastruktur: Investieren Sie in eine leistungsfähige und bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur. Planen Sie die Transformation in langfristigen Szenarien.
- Energiemanagement: Planen Sie Ihren Energiebedarf passend zur Transformation. Priorisieren Sie den Vorrang für erneuerbare Energien und intelligente Ladetechnologien.
- Kontinuierliche Verbesserung: Nutzen Sie Datenanalyse- und Überwachungsinstrumente, um Ihr System kontinuierlich zu verbessern.
Weitere Informationen zu den Elektro-Lkw bei der MOSOLF-Gruppe:
Kontakt
Dr. Egon Christ
Leiter Unternehmensstrategie/Head of Corporate Strategy
Telefon: +49 7021 809-488
egon.christ@mosolf.de





