Was ist Ziel Ihrer Flottenumstellung?
Wir wollen unseren Kunden auch in Zukunft höchste Qualität bieten – und das nachhaltig. Dafür stellen wir unseren Fuhrpark systematisch auf emissionsfreie Antriebe um.
Was motiviert Sie dazu, Ihren Fuhrpark auf grüne Antriebe umzustellen?
Als Logistikdienstleister tragen wir eine besondere Verantwortung für die Reduktion von CO₂-Emissionen. Gleichzeitig sehen wir in der Elektrifizierung eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Chance: Die Technik ist einsatzbereit, Strom aus erneuerbaren Energien steht in Schleswig-Holstein im Überfluss zur Verfügung, und die Wirtschaftlichkeit der aktuellen E-Lkw ist erstmals gegeben – unter den richtigen Rahmenbedingungen.
Haben Sie sich bei der Umstellung auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge Ziele gesetzt?
Ja, wir planen:
- 2025: Einführung von 3 batterieelektrischen Sattelzugmaschinen
- Bis Ende 2026: Betrieb von bis zu 10 E-Lkw
- Langfristig: Schrittweise Dekarbonisierung unseres gesamten Fernverkehrs, beginnend mit den planbaren Hauptläufen
Ziel ist es, insbesondere unsere emissionsintensiven Linienverkehre zu elektrifizieren – z. B. im Shuttleverkehr Neumünster–Dänemark und im Nachtsprung nach Hannover.
Wie sind Sie konkret vorgegangen? Welche Schritte haben Sie unternommen?
- Technologieauswahl: Nach umfangreichen Tests haben wir uns für den Mercedes-Benz eActros 600 entschieden. Reichweite, Ladefähigkeit und Fahrzeugperformance haben uns überzeugt.
- Einsatzprofil und Testbetrieb: Der eActros wurde unter realen Bedingungen getestet – u. a. bei Minustemperaturen, voller Beladung und Gegenwind. Ergebnis: >500 km reale Reichweite sind möglich.
- Ladeinfrastruktur: Aufbau eines skalierbaren Konzepts für 1, 5 und 30 Lkw. Kombination aus 4 MWp PV-Anlagen, 3 MW Batteriespeicher und intelligenter Steuerung über ein Energiemanagementsystem von IO-Dynamics.
Ziel: Eigene, netzunabhängige Stromversorgung mit hoher Wirtschaftlichkeit.
- Partnerschaften: Enge Zusammenarbeit mit Herstellern, Energiepartnern, Netzbetreibern und Technologieanbietern (u. a. Süverkrüp, IO-Dynamics, Co-Power).
Welche konkreten Erkenntnisse haben Sie während und nach der Umstellung gewonnen?
- Die Technik funktioniert. Die Fahrzeuge sind zuverlässig, leistungsfähig und praxistauglich.
- E-Lkw sind 2025 erstmals wirtschaftlich betreibbar – bei hohen Laufleistungen, grünem Strom und intelligenter Einsatzplanung.
- Die Ladeinfrastruktur ist der Schlüssel. Ohne vorausschauende Planung, eigene Energiequellen und Speicher sind hohe Ladeleistungen nicht effizient nutzbar.
- Grid-Ausbau wird zur Herausforderung. Ein einziger E-Lkw kann den Strombedarf eines gesamten Standortes verdoppeln. Deshalb braucht es leistungsfähige Netze – und politische Planungssicherheit.
- Ein Systemansatz ist unerlässlich. Es geht nicht um Fahrzeuge allein, sondern um das Zusammenspiel aus Strom, Timing, Touren und Technik.
Do:
- Frühzeitig mit Netzbetreibern sprechen
- Realistische Einsatzszenarien definieren
- Ladezyklen in Tourenplanung integrieren
- Eigene Energieproduktion mitdenken
Don’t:
- Technologie „einfach mal testen“ ohne Strategie
- Ausschließlich auf Förderung setzen
- Infrastruktur unterschätzen – Strom kommt nicht „aus der Wand“


